Jacquemus „Le Palmier“: Skulpturale Eleganz und provenzalische Nostalgie

Jacquemus „Le Palmier“: Skulpturale Eleganz und provenzalische Nostalgie

Foto: Jacquemus ©

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Simon Porte Jacquemus kehrt mit seiner Kollektion „Le Palmier“ zu den Wurzeln seiner gestalterischen Identität zurück und präsentiert eine Vision, die organische Naturformen in hochgradig strukturierte Mode übersetzt. Die Inspiration für diese Entwürfe speist sich aus der vertikalen Ästhetik der Palme und persönlichen Erinnerungen an den Sommer in Südfrankreich. Jacquemus spielt hierbei meisterhaft mit der Formgebung von Palmenblättern, die er in architektonische Schnitte und aufwärtsstrebende Silhouetten überträgt. Es entsteht ein faszinierender Dialog zwischen der Naivität der Kindheit und der technischen Strenge der Pariser Haute Couture.

Die Architektur der Palme als Design-Leitfaden

Die gesamte Kollektion zeichnet sich durch eine spannungsgeladene Linienführung aus, welche die Eleganz der 1950er Jahre mit der minimalistischen Coolness der 1990er Jahre fusioniert. Anstatt sich auf kurzlebige Trends zu verlassen, setzt der Designer auf ein Volumen, das der Schwerkraft zu trotzen scheint. Jedes Kleidungsstück wirkt wie eine tragbare Skulptur, die durch scharfe Kanten und eine klare geometrische Ausrichtung besticht. Die Farbpalette fängt dabei das grelle, fast überbelichtete Licht der Provence ein und verleiht der strukturellen Härte eine sommerliche Leichtigkeit.

Handwerkliche Präzision und kulturelle Referenzen

In handwerklicher Hinsicht markiert diese Kollektion einen deutlichen Reifeprozess für das Haus Jacquemus. Die Konstruktion der Stücke steht im Vordergrund, wobei schwere Textilien so manipuliert werden, dass sie die fließenden Bewegungen der Natur imitieren, ohne ihre Form zu verlieren. Subtile Referenzen an die französische Filmgeschichte und ein Hauch von 80er-Jahre-Humor lockern die sonst so präsente Strenge auf. Damit beweist Jacquemus einmal mehr, dass er in der Lage ist, tief verwurzelte persönliche Geschichten in eine moderne, radikale Formsprache zu übersetzen, die weit über den rein visuellen Moment hinausgeht.

Fazit einer neuen Design-Ära

Mit „Le Palmier“ festigt Simon Porte Jacquemus seinen Status als einer der prägendsten Designer unserer Zeit. Er beweist, dass Tragbarkeit und künstlerischer Anspruch kein Widerspruch sein müssen. Die Kollektion bleibt der provenzalischen DNA treu, wirkt jedoch erwachsener und technisch anspruchsvoller als ihre Vorgänger. Es ist eine Hommage an die Vertikalität und das Licht, die zeigt, wie Mode Erinnerungen konservieren kann, ohne in Kitsch zu verfallen.

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