Das Ende einer Ära: Véronique Nichanians finale Kollektion für Hermès Men FW26

Das Ende einer Ära: Véronique Nichanians finale Kollektion für Hermès Men FW26

Foto: Hermés ©

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Nach über 35 Jahren an der Spitze der Menswear bei Hermès verabschiedet sich Véronique Nichanian mit einer Kollektion, die als Quintessenz ihres Schaffens gelesen werden kann. Ein emotionaler und zugleich gewohnt präziser Rückzug einer Ikone.

Die FW26-Show im Tennis Club de Paris war mehr als nur eine Präsentation neuer Trends; es war ein historischer Moment für das Haus Hermès. Dass dies die letzte Kollektion von Véronique Nichanian sein würde, verlieh der Atmosphäre eine besondere Schwere und gleichzeitig eine tiefe Wertschätzung. Nichanian hat die moderne Herrengarderobe wie kaum eine andere geprägt – fernab von Hypes, immer mit dem Fokus auf das Wesentliche.

Texturen und Kontraste: Das Vermächtnis in der Menswear

Auch in ihrem Abschied bleibt sie ihrer Linie treu. Der Fokus liegt auf der haptischen Perfektion. Nichanian kombiniert matten Flanell mit hochglänzendem Kalbsleder und setzt haptische Akzente durch groben Strick. Es ist eine Bestandsaufnahme der Texturen, die sie über drei Jahrzehnte perfektioniert hat. Besonders die Integration von technischer Seide zeigt noch einmal ihre Innovationskraft, die sie bis zum letzten Entwurf beibehalten hat.

Die Farbpalette der Saison

Farblich ist diese Kollektion eine Hommage an die Hermès-DNA: Ein Spektrum aus Mineralgrau, tiefem Marineblau und den warmen Erdtönen wie Mokka und Terrakotta. Es sind Farben, die Beständigkeit ausstrahlen – genau wie Nichanians Karriere selbst. Die subtilen grafischen Muster auf den Kaschmirpullovern wirken wie eine leise Verneigung vor der Handwerkskunst des Hauses.

Volumen und Schnittführung: Freiheit für den modernen Mann

Die Silhouette der FW26-Kollektion ist weit und fließend, ein Symbol für die Ungezwungenheit, die Nichanian stets propagierte. Die Hosen fallen weich über die Boots, während die dekonstruierten Sakkos jede Strenge ablegen. Diese Schnitte sind ein letztes Geschenk an den Hermès-Mann: Kleidung, die nicht einengt, sondern Freiheit schenkt. Die hybriden Jacken unterstreichen noch einmal ihre Vision einer Garderobe, die sich dem Leben anpasst.

Fokus auf das Detail: Ein stiller Abschied

Die Accessoires, insbesondere die neuen Totes aus Togo-Leder, verzichten auf jegliches Branding. Es ist das ultimative Statement von Quiet Luxury, das Nichanian bei Hermès etabliert hat: Qualität, die keine Worte braucht. Dass sie in ihrer letzten Kollektion auf laute Gesten verzichtet, ist bezeichnend für ihre Bescheidenheit und Professionalität.

Mit dieser FW26-Kollektion hinterlässt Véronique Nichanian ein bestelltes Feld. Sie geht auf dem Höhepunkt ihres Schaffens und beweist, dass wahre Eleganz in der Beständigkeit liegt. Es ist ein Abschied ohne Wehmut, aber mit tiefem Respekt vor einer Designerin, die die Menswear-Welt nachhaltig verändert hat. Hermès verliert eine Visionärin, aber ihr Stil wird bleiben.

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