Dries Van Noten: Julian Klausners leise Revolution

Dries Van Noten: Julian Klausners leise Revolution

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Julian Klausner’s zweiter Frühling bei Dries Van Noten fühlte sich weniger nach Umbruch an, sondern nach Rückkehr zur Essenz – mit neuen Tönen, mutiger Farbsprache und einer spürbaren Gelassenheit. Spring/Summer 2026 wurde zu einer Kollektion, die nicht schreit, sondern strahlt: warm, luftig, mit dem leisen Echo eines perfekten Sommertags.

Wie ein „perfekter Tag“ sichtbar wurde

Die Bühne des Palais de Tokyo war erfüllt vom Rauschen der Brandung — nicht als akustischer Effekt, sondern als Leitmotiv. Klausner ließ sich von Momenten inspirieren, die einfach sind: Sonnenuntergang am Strand, Surfer im Meer, der sanfte Übergang von Licht zu Schatten. “Ease and optimism” nennt er das selbst: eine Freiheit, die sich nicht in Dramatik ergießt, sondern in Bewegung und Stoffe, die sich lösen und atmen.

Was auffällt: Klausner hebt Farben an, ohne sie lauter zu machen. Hot Pink, Jadegrün, Highlighter-Gelb und kräftiges Blau mischen sich mit sanften Neutraltönen, gedecktem Crème und transparentem Swiss Dot. Die Palette wirkt wie das flirrende Licht über Meeresbrandung – ein subtiles Lichtspiel, keine Explosion.

Prints, Streifen & Blumenmuster fließen ineinander, oft in Surrealfarben oder mit moiréartigen Überlagerungen. Bomberjacken, transparente Kleidungsstücke und Kleider, die wie Wasser fallen, finden ihren Kontrapunkt in strukturierten Blazern und Oversize-Mänteln. Das Spiel von Kontrast ist kein Bruch, sondern die Hingabe an die Spannung zwischen Eleganz und Lässigkeit.

Formen zwischen Lässigkeit und Anspruch

Klausner experimentiert mit Formen: Rüschen, peplumartige Taillierungen, und Jacken, die den Körper nicht nur umhüllen, sondern hervorheben. Cummerbunds wirken als Accessoire und integraler Teil zugleich; Sarongs über Hosen, Clips, die Transparenz erzeugen; kurze Hemden, lange Mäntel – alles in einem Atemzug von Lässigkeit und Anspruch.

Die Accessoires sind subtil: Sneaker und niedrig profilierte Schuhe in Satin oder Material-Mix, Schmuck aus Muscheln und Abalone-Fragmenten. Sie tragen den Look mit, ohne ihn zu dominieren. Die Arch-Bag und Duffel-Modelle, oft inspiriert durch Sneaker-Formen, wirken wohnlich, verwendbar, aber unverkennbar nuanciert in der Vision von Dries.

Zwischen Vergangenheit und Zukunft: Klausners Gratwanderung

Julian Klausner steht nicht vor der Aufgabe, das Rad neu zu erfinden – das hat sein Vorgänger Dries Van Noten in Dekaden zuvor bereits meisterhaft getan. Aber er steht vor der Herausforderung, das, was gemacht wurde, weiterzuführen – mit Eigenem. SS26 wirkt wie ein Tribut, kein Cover-Song. Die Kollektion behält viele Signaturen: reich verzierte Stoffe, Mut zu Prints, Liebe zur Komplexität. Doch zugleich spürt man, wie der Designer sich löst von eventueller Nostalgie, um stattdessen nach Aktualität und Gefühl zu streben. Nicht nur schön sein, sondern Sinn machen.

Trotz aller Schönheit bleibt SS26 nicht frei von Kritik. Manche Looks wirken überladen, insbesondere, wenn Volumen, Print und Transparenz aufeinandertreffen. Die Balance ist zart. Einige Modekritiker*innen wünschen sich mehr Ruhe – weniger Teile pro Look, klarere Linien in den dramatischen Momenten. Doch dies mag Teil des Prozesses sein: Wie findet Klausner seine eigene Stimme, wenn sie noch jung ist?

Ein Schritt, der sich richtig anfühlt

Dries Van Noten SS26 ist kein lauter Neuanfang, sondern ein Statement der Richtung: sanfter, verspielter, optimistischer. Julian Klausner zeigt, wie Heritage lebendig bleiben kann, wenn man sie respektiert, aber nicht idolisiert. Hier wird Tradition nicht konserviert, sondern transformiert. Für Fans der Marke ist SS26 kein nostalgischer Rückblick, sondern ein Versprechen: Dass Dries Van Noten weiterhin eine Stimme sein wird – charmant, eigen, voller Textur und Farbe – in einer Modewelt, die oft mehr Dekoration als Bedeutung bietet.

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